Fechten Kategorie: Fechtstile
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Mit “Montante“ bezeichente man auf der iberischen Halbinsel die dortigen großen zweihändigen Schwerter, wie sie im 16./17. Jh in Gebrauch waren. Verglichen mit den deutschen Bidenhändern der gleichen Epoche stellten sie ehr schlanke und leichte Waffen dar. Die Klingen waren schmal, hatten parallele Schneiden und meist eine kurze Hohlkehle. Parierhaken waren, wenn überhaupt vorhanden, ehr klein und üblicherweise nicht wie bei den deutschen Zweihändern zum Ort hin gebogen. Die Parierstangen waren ebenfalls schlichter, grade und schnörkellos und lediglich mit zwei Parierringen versehen.

Camillo Agrippa, 1553Obwohl sie zwischen Schulter- bis Scheitelhoch waren, lag Ihr Gewicht meist merklich unter zweieinhalb Kilogramm. Die überlegene Reichweite ist, ebenso wie die durch das geringe Gewicht und den rund 50 cm langen Griff ermöglichte hohe Schnelligkeit dieser Waffe, elementar für die zugehörige Fechtkunst mit dem spanisch-portugiesischen Montante.

Waren die deutlich kürzeren zweihändigen Schwerter der anderen europäischen Fechtbuchtraditionen auf den Zweikampf, das Duell, hin ausgerichtet, so sind die großen Zweihänder wie wir sie in den spanischen Überlieferungen ab dem späten 16. Jh. finden, für gänzlich andere Einsatzzwecke vorgesehen. Das Montante war vielmehr eine Flächenwaffe für asymmetrische Bedrohungslagen und wurde hauptsächlich von spezialisierten Profis, wie Leibgarden u,ä., eingesetzt. Entsprechend zeigt sich auch der Aufbau der erhaltenen Lehren. In der Hochzeit der Spanischen Rapierkampfkunst „la verdadera Destreza“ ist in einigen wenigen Fällen auch die wohl auf dem älteren Escrima Vulgar/Escrima Commun basiernede Kunst mit dem großen Montante niedergeschrieben worden. Diese Montanteabhandlungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie in sogenannten „Regeln“ gegliedert sind. Eine Regel beschreibt eine Technikkombination für eine Bestimmte Situation oder Gefechtslage. So gibt es eine spezielle Regel für Umzingelungssituationen in engen Gassen, eine andere Regel um eine schutzbefohlene Dame zu Verteidigen, eine Regel gegen Schildträger oder Stangenwaffenkämpfer, eine Regel zum Kämpfen auf dem schmalen Laufsteg einer Galeere usw…. Darüber hinaus gibt es noch ein paar Regeln welche nur als Übung zum trainieren bestimmter Fähigkeiten und Bewegungsmuster gedacht sind, vergleichbar mit den Soloformen und Katas fernöstlicher Kampfkünste.

 

Gemein ist allen diesen Regeln, dass hier meist mehrere Gegner auf einmal angenommen werden, die jedoch eine andere Bewaffnung als man selbst aufweisen. Meist wird die Art der gegnerischen Bewaffnung nicht explizit genannt, sodass hier allgemein von leichteren Waffen (Rapiere, Seitschwerter, Messer) als man selbst ausgegangen wird, also eine asymmetrische Bedrohungslage vorherrscht. Durch Ausnutzung der überlegenen Reichweite und Masse des Montantes soll die zahlenmäßige Überlegenheit des Gegners kompensiert werden. Im Kampf gegen mehrere Gegner ist es wichtig permanenten Druck gegen alle Angreifer gleichermaßen aufrecht zu erhalten, damit ich nicht von dem Mann hinter oder neben mir erschlagen werde während ich mich auf den Gegner vor mir konzentriere.

Entsprechend wird das Montante häufig in durchlaufenden flachen Schwüngen geführt, die viel Raum abdecken und somit eine ganze Gegnergruppe in Schach halten können. Dabei werden keine Punktziele wie Körperteile oder Einzelpersonen angegriffen, sondern vielmehr Räume bestrichen. Das Montante ist also vielmehr eine Flächenwaffe. Jeder Hieb geht ohne Unterbrechung flüssig in den Nächsten über. Hier gleicht es entfernt des dem deutschen Konzept Liechtenauers für das Zufechten, wo Vor- und Nachschlag als flüssige Einheit gefordert werden. Im Gegensatz zur Liechtenauerschen Schule wird beim Montante jedoch die Bindungsarbeit gänzlich vermieden, da eine gebundene Waffe allen anderen Gegnern Tür und Tor zum Angriff auf meine ungedekten Stellen öffnet. Aus dem Selben Grund kommen auch Stiche recht selten, und nur in ganz bestimmten Situationen, vor.

Die verwendeten Hiebe sind, verglichen mit den 5 Häuen Liechtenauers, ehr simpel. Die Kunst liegt mehr in der komplexen Beinarbeit, die bei diesen großen und aus dem ganzen Körper heraus geführten Waffen notwendig ist, um in ständig wechselnde Richtungen wirken zu können. So kommen des öfteren komplette Körperdrehungen und sogar Drehsprungangriffe, z.B. gegen Stangenwaffen oder Umzingelungssituationen, vor.

Zum Vorgehen gegen schwerer Bewaffnete Gegner wie Stangenwaffen- oder Schildträger existieren einige gesonderte Regeln.

In den meisten Quellen zum Montante werden auch 1-2 Regeln für den Kampf gegen ein anderes Montante beschrieben. Jedoch wird hier stets betont, dass das ein ehr seltener Fall ist und das Duell nicht den originären Einsatzzweck des Montante darstellt.

 

Eine der ältesten und wichtigesten Quellen zum Montante stellt die Handschrift von Lois Godinho aus dem Jahre 1599 dar. Er zeichnet sich durch besonders flüssige Kreisbewegungen aus. Seine Regeln sind stets in einer Endlosschleife „linksherum-rechtsherum“ durchführbar. Das zweite wichtige Werk zum Montante ist dasjenige des Portugiesen Dom Diego Gomez de Figueyredo aus dem Jahre 1651. Es weist sehr große Ähnlichkeit in der Handhabung, aber auch einige Unterschiede zur Lehre Godinhos auf. So sind Figueyredos Regeln meist in einer „Vorwärts-Rückwärts“-Endlosschleife anwendbar. Gleichsam wie ein Film, denn man nach einem Durchlauf einmal wieder Rückwärts laufen lässt. Figuereido beschreibt zwar mehr Regeln als Godinho, diese jedoch nicht so ausführlich und detailliert wie dieser.

Weiterhin gibt es noch einige Autoren die dem Montante nur sehr wenige Worte widmen, zumeist in Form von heute nur noch wenig erhellenden Stichpunkten. Viedma beschreibt in seinem Werk zur Destreza von 1639 neben einigen allgemeinen Dingen immerhin noch 3 ausführlichere Regeln zur Übung mit dem Montante.

Eine gewisse Sonderstellung nimmt das Fechtbuch von Miguel Pérez de Mendoza y Quijada von 1672 ein. Er beschreibt keinerlei konkrete Regeln, widmet jedoch jeweils ein eigenes Kapitel mit allgemeinen Anweisungen dem Montante sowie auch dem Mangual.

Das Mangual, zu Deutsch schlicht „Flegel“, ist eine Kettenwaffe von etwa der gleichen Gesamtlänge wie das Montante. An einem Holzschaft, welcher knapp die Hälfte der Waffenlänge ausmacht, befinden sich drei Ketten mit jeweils einer Kugel am Ende. Für das Mangual gelten die gleichen Besonderheiten wie sie auch schon beim Montante gelten, jedoch noch in verstärktem Maße! So gibt er auch an dass man mit dem Mangual die selben Regeln wie mit dem Montante fechten könne und solle, nur die Stiche sind bei der Flegelwaffe halt wegzulassen. Ist das Montante schon eine äußerst anspruchsvolle Waffe zur Körperschulung, so gilt das für das Mangual in noch deutlich stärkerem Maße. Bewegen sich Körper und Waffe nicht in einer Einheit und wird der Schwung der Waffe nicht stets perfekt mitgeführt, so fallen einem wortwörtlich auch mal die eigenen Kugeln auf den Kopf!

Francesco Alfieri, 1653Neben den genannten Quellen weisen die späten italienischen Quellen zum großen Zweihänder interessante Parallelen zum Montante auf. Beschreiben die Bologneser „Bidenhänder“-Fechtquellen des frühen 16. Jh. noch einen gänzlich anderen Stil mit Schwerpunkt auf dem Zweikampf Schwert gegen Schwert, so scheinen die Fechtbücher DiGrassis (1570/1594) und insbesondere Alfieris (1653) die Waffen dann nach den selben Prinzipien wir ihre iberischen Zeitgenossen zu führen.

Aus anderen Ländern sind bisher leider keine Quellen zur Handhabung der Großen Bidenhänder gefunden worden, was die hier beschriebenen Fechtbücher zu etwas besonderem Macht.

 

Montante und Mangual werden bei der Fechtgruppe Krumphau&Krücke im PSV Unna als Nebenthema zumeist in Form von Workshops trainiert und angeboten.

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