Fechten Kategorie: Fechtstile
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Sprach man im 16. Jh im deutschsprachigen Raum von einem "Rapier", so hat man meist nicht die typischen Waffen und die dazugehörigen Fechtweisen vor sich, die man im Allgemeinen mit der Hochzeit des Rapieres im 17. Jh verbindet. Dieses frühe Rapier ist ehr noch eine Abart des Seitschwertes. Entsprechend stellt sich auch die Fechtkunst mit dieser interessanten, gleichermaßen eleganten wie effektiven, Waffe dar.


ImRapierszene aus Paulus Hector Mairs Werk, ca. 1550 vorangegangenen Jahrhundert war das Lange Schwert noch die klar dominierende Waffe in den Hochentwickelten Fechtkünsten in fast ganz Europa. Insbesondere in Deutschland war das Lange Schwert nach mehr oder weniger Johannes Liechtenauers Tradierung bis zur Mitte des 16. Jh besonders stark präsent. Von Italien kommend entwickelte und verbreitete sich ab 1500 jedoch das Seitschwert zunehmend in Europa. Federführend waren hier beispielsweise Bologneser Meister wie Achille Marozzo oder Antonio Manciolino. Nachdem Camillo Agrippa 1553 sein Werk "Trattato di scientia d’arme, con un dialogo di filosofia" veröffentlichte, war dann der Weg bereitet für den Siegeszug der späteren, Stichlastigen Rapiermeister italiensicher Prägung des 17. Jahrhunderts wie Fabris, Giganti und Capo Ferro.

 

 


Die Überlieferung zum Rapier deutscher Ausprägung konzentriert sich nun auf den Zeitraum vom 16. Jh bis etwa zum Dreissigjährigen Krieg. Die Quellen hierzu sind leider nur sehr spärlich auf uns gekommen, da es sich in Deutschland zunächst noch gegen das traditionelle Lange Schwert durchsetzen musste, und in späterer Zeit durch die weit verbreiteten Italienischen Meister und ihre Lehren Konkurenz bekam.

Etwa aus der Mitte des 16. Jh ist uns die Rostocker Fechthandschrift UB Mss.var83 des Hugold Behr erhalten (Behr war wohl Besitzer, vermutlicher aber nicht der Autor dieses Buches. Sein Besitzvermerk trägt das Datum 1573). Die kurze Fechthandschrift befasst sich ausschließlich mit Seitschwert und Linkhanddolch. Als einziegs bekantnes Manuskript zum Thema enthält es eine detaillierte Anweisung zur Beinarbeit und ein ausführliches Schrittdiagramm. Leider ist das Werk noch nicht öffentlich zugänglich. Für das kommende Jahr ist jedoch die Publikation einer Analyse und Edition mit Farbabdruck von Matthias Johannes Bauer geplant.


Ebenfalls um die Jahrhundertmitte herum enstanden in Augsburg die Bände von Paulus Hector Mairs Kompendium zur Fechtkunst. Im zweiten Band seiner deutschsprachigen Ausgabe (Mscr.Dresd.C.94) führt er auch acht Stücke mit dem Rapier, sowie neun Stücke mit Rapier und Dolch an.

Das weitaus umfangreichste und ausführlichste Material hat uns der Straßburger Freifechter Joachim Meyer hinterlassen. Sein ungemein umfangreiches Hauptwerk "Gründtliche Beschreibung des Fechtens" ging 1570 erstmals in Druck und sollte noch bis ins 17. Jh hinen viele male aufgelegt werden. Es Behandelt neben dem Einzelrapier auch ausführlichst andere Waffengattungen wie noch das Lange Schwert, sowie Dolchkampf und Stangenwaffen.


Seine allererste Handschrift (MS A.4°.2, Lunds Universität, Schweden) stammt jedoch schon von 1560 und ist Graf Otto von Sulms gewidmet. Sein 1571 fertiggestelltes, wenig bekanntes, letztes Manuskript trägt eine Wittmung an Graf Heinrich von Eberst ("Fechtbuch zu Ross und zu Fuss" MS Var.82 SLUB Rostock).


Meyer zeigt in seinen Werken noch sehr frühe Rapiere, die weitestgehend noch dem Seitschwert gleichen. Dementsprechend zeigt sich auch seine Fechtlehre noch als sehr Hieblastig im Vergleich zu den typischen Vertreter der Blütezeit des Rapiers im Jahrhundert nach ihm. Die Gefäße sind noch wenig ausgeprägt und weisen neben der Parierstange zumeist lediglich einen terzseitigen Parierbügel und einen Faustbügel auf. Da das in  Italien übliche Übergreifen der Parierstange mittels des Zeigefingers im deutschen Rapierfechten dieser Zeit nicht vorkommt, weisen die Waffen entsprechend auch keine Klingenbügel o.ä. Elemente auf, wie sie beispielsweise in Italien zu dieser Zeit weit verbreitet waren.


Die Rapierfechtweise Meyers und der anderen genannten deutschen Rapierautoren setzt sich merklich von der traditionellen "deutschen Schule", wie sie im klassischen Langen Schwert oder Langen Messer gelehrt wurde, ab. Auch wenn noch zahlreiche Einflüsse aus dem System Liechtenauers und seiner Nachfolger augenfällig sind, so beschränken sich diese Gemeinsamkeiten zumeist nur auf Einzeltechniken innerhalb des Gesamtsystems. So finden sich zwar die Häue und Huten aus dem Langschwert- und Messerfechten wieder, jedoch ficht Meyer beipsielsweise zumeist in Rechtsauslage und kennt auch Paraden und Deflektionen. Da dem langen Rapier mit seiner nur einhändigen Führungsweise der Griffhebel des Langen Schwertes fehlt, wird der Impuls in der Bindung beim Klingenkontakt ehr genutzt um diese wieder zu verlassen und den Impuls zum krafvolleren Umschlagen auszunutzen.


Meyer scheint auch einige Einflüsse der Bologneser Dardi-Schule aufgenommen zu haben. Er selbst schreibt 1570 in seinem Werk, dass das Rapier aus dem Ausland käme. Weiterhin lassen sich auch schon diverse ähnlichkeiten zum deutlich späteren Säbelfechten erkennen.


Im 17 Jh. entstand dann die lehre von Jacob Sutor aus Baden, wessen Druck 1612 erstmalig erschien. Sutors Werk gleicht in weiten Teilen Joachim Meyers Lehre, scheint im Vergleich zu dessen Druck jedoch leicht abgeändert und stark verkürzt.

Als letzer im Bunde ist der Druck von Theodori Verolini zu nennen, welcher 1679 erschien und damit am Ende der Reihe steht. Ähnlich wie schon bei Jacob Sutor gibt Verolini im Grunde lediglich stark verkürzt Jochim Meyers Lehre wieder. Er kompiert in seinem Druck sogar die Stiche aus Meyer Buch 100 Jahre zuvor.

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